Bevor ich zu der beeindrucktesten Wanderung meines Lebens komme, werde ich erstmal über mein Costa Ricanisches Silvester erzählen, was mindestens genauso besonders war.
Erstmal habe ich in Gedanken 7 Stunden vor meinem Silvester mit euch allen gefeiert und habe mich sehr gefreut, meinen lieben Bruder, seine Freunde und Therry via Skype zu sehen! Ich hatte eigentlich keine großen Erwartungen an diesen Abend, also habe ich mich eigentlich darauf eingestellt, genüsslich zu kochen und den derzeit stattfindenden Stierkampf von Costa Rica im Fernsehen anzusehen, was ich letztendlich mit einer netten Schwedin und einem Iren namens Niall gemacht habe. Danach hat mich Niall gefragt, ob ich Lust habe, in die Innenstadt von San José zu fahren, um den Abend in einer Bar zu feiern. Warum nicht?, dachte ich mir und 2 Stunden später sparzierten wir schon durch den Stadtpark. Ich war echt froh, Niall bei mir zu haben, denn alleine hätte ich das um diese Uhrzeit niemals gemacht! Uns ist die ein oder andere sehr seltsame Gestalt begegnet, vor der man echt Angst haben könnte.
Als wir dann in einer Bar angekommen sind, hat Niall begonnen, ein bisschen über sein Leben zu plaudern, was mich echt sehr faszinierte! Er reist seit 3 Jahren und 3 Monaten nur mit dem Auto. Sein Ziel ist es, eine Weltumrundung zu machen und er hat es tatsächlich fast geschafft. Er fährt jetzt noch weiter über Lateinamerika in die USA und fährt dann von Miami mit dem Schiff rüber nach Europa. Ich finde das einfach so unglaublich, dass ich es in den Blog schreiben wollte. Dementsprechend war er auch sehr welterfahren und belesen, sodass echt sehr interessante Gespräche entstanden sind. Er hat bisher nur einen Einzigen getroffen, der auch nur mit dem Auto reist. Der hat wiederum innerhalb von 6 Jahren jedes einzelne Land dieser Erde außer drei bereist, wurde aufgrund dessen in eine Talkshow eingeladen und hat eine Privatinsel auf Panama gewonnen, auf der er 1 Jahr wohnen darf. Niall hat darauf nur gesagt, dass ich den gerne in Panama auf der Insel besuchen könne, wenn ich Zeit habe. So ein Angebot bekommt man auch nicht alle Tage, oder?
Der Unterschied zwischen den Zweien und mir ist nur, dass ich reise, um in ein anderes Land mit fremder Kultur eintauchen zu können und nicht, um zu sagen, wie viele Länder ich schon bereist habe. Niall auf jeden Fall sehnt sich nach einem geregelten Tagesablauf und festen Freunden um sich herum. Deswegen ist er auch froh, dass er in ca. 7 Monaten fertig mit seiner Reise ist.
Nach dem Abendessen sind wir dann wieder ins Hostel zurückgefahren, wo wir mit Kuchen und Sekt empfangen wurden, also war es für mich doch noch ein sehr schönes Silvester.
Inzwischen befinde ich mich in einem ganz netten Hostel in La Fortuna und verstehe mich mit meiner Zimmergenossin Jasmin aus der Schweiz hervorragend. Sie ist insgesamt 4 Monate in Lateinamerika und macht in verschiedenen Ländern Sprachkurse, hilft bei einem Projekt in Kolumbien mit und will die Länder genauso kennenlernen, wie ich. Also sind wir gleich am nächsten Tag aufgebrochen, um den Cerro Chato Hike zu machen. Cerro Chato ist der kleinere von zwei nebeneinanderliegenden Vulkanen, den man bis in den Vulkankrater besteigen kann. Uns wurde gesagt, dass es ca. 3 Stunden rauf und 1,5 Stunden wieder runter braucht und dass es anstrengend, aber nicht gefährlich sei.
Soweit so gut, wir sind voller Motivation hochgegangen und waren erstmal die Einzigen weit und breit. Vereinzelt haben wir dann, als der Dschungel begann, ein paar Leute getroffen, die uns freundlich gegrüßt und angetrieben haben, weiterzuwandern. Das Problem war nur, dass es immer steiler wurde und wir viel zu wenig Wasser dabei hatten. Man konnte nicht mehr von einem Wanderweg sprechen - es war im Grunde eigentlich nur ein extrem steiler und mit Wurzeln durchwucherter Trampelpfad. Man kann das Gefühl gar nicht beschreiben, bei schwüler Temperatur im Dschungel irgendwo steil bergauf zu wandern. Wir kamen mehr schlecht als recht oben an und mussten nur noch den Krater hinuntersteigen, um zum Vulkansee zu kommen. Und das erwies sich als eine echte Herausforderung! Der Weg war extrem matschig und steil, dass wir uns teilweise nur mit Seilen runterrutschen ließen. Als wir dann endlich den See sahen, war es leider keine große Überraschung, weil es extrem neblig war und es anfing, in Strömen zu regnen! Der Trampelpfad wurde überflutet und erschwerte uns den Rückweg nochmals. Trotzdem war der Abstieg viel bequemer und entspannender bis es mich dann am Schluss noch ein paar Mal so richtig geschmissen hat. Wir haben durch die ganze Anstrengung nur noch gelacht.
Insgesamt hätte ich mir die Erfüllung meines Traums, einmal in einem Vulkankrater zu sein, etwas anders vorgestellt, aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis!
Leider habe ich aufgrund des Regens nur vom Anfang unserer Tour Fotos, die ich euch aber trotzdem zeigen möchte, damit ihr eine kleine Vorstellung davon bekommt, in welchem wunderschönen Land ich mich gerade befinde.

Mein aktuelles Hostel



Jasmin und ich am Anfang unseres Hikes

Der Anfang des Dschungels