Donnerstag, 5. Februar 2015
Inzwischen sind Maura und ich so richtig im kleinen Torito angekommen und werden nicht mehr als "las muchachas", sondern als die Schwestern von Ronny und Rudy bzw. von Paola und Samuel angesprochen. Letzte Woche ist Georgia wieder nach Torito gekommen, die während der Schulferien bei ihrem Freund in Nicoya war. Sie arbeitet auch als Freiwillige im Kindergarten unseres kleinen Dörfchens und bleibt noch einen Monat hier. Wir drei genießen noch unsere letzte Woche bevor es endlich so richtig losgeht.
Maura und ich wussten in den ersten Wochen gar nicht, was wir mit so viel Glück, in einem so wunderbaren Ort zu wohnen, anfangen sollten, aber nach und nach begreifen wir, dass wir uns beispielsweise jeden Tag den Sonnenuntergang anschauen können, der echt atemberaubend ist! Der Horizont schien zu brennen als die Sonne schon fast nicht mehr zu sehen war. Während man noch die letzten Sonnenstrahlen genießen konnte, erschienen schon der Mond und die ersten Sterne. Das Panorama sah exakt so aus, wie wenn es irgendwelche Ölmaler gestalten würden, wo man sich eigentlich immer denkt, dass sie es ein bisschen mit den Farben übertreiben... Auf jeden Fall wird es einer meiner neuen Lieblingsbeschäftigungen sein, mir den Sonnenuntergang anzusehen.
Ansonsten sind Maura und ich nach den Spanischstunden und nach getaner Arbeit im Fitnessstudio fast jeden Tag am Strand und brutzeln fleißig in der Sonne. An den Wochenenden gehen mein Gastpapa, die Kinder und ich ausgerüstet mit Flossen, Maske und Schnorchel Meeresfrüchte sammeln. Es klingt komisch, aber es ist wie wenn wir Deutschen Pilze sammeln gehen. Man kann genauso ungenießbare Muscheltiere aufsammeln, wie ich es am Anfang immer getan habe, worauf mich Francisco immer ausgelacht hat, und man muss genauso viel Glück und den richtigen Riecher haben. Inzwischen finde ich aber die richtigen Krebse und Muscheln, das meinen Gastpapa besonders freut.
Wenn mir der Trubel zu Hause ein bisschen zu viel wird, flüchte ich mich zu Maura und ihren Gastbrüdern, bei denen es wesentlich entspannter abläuft. Letztens haben wir zu einer Tasse Kaffee UNO gespielt. Gestern haben wir uns einen Nachmittag am Strand gegönnt, wo Ronny fleißig deutsch gelernt hat und am Wochenende machen wir zusammen Lasagne, worauf Maura und ich uns schon wahnsinnig freuen! Wir haben gleich mal klargestellt, dass die Lasagne italienisch sein muss und auf gar keinen Fall mit Koriander gewürzt werden darf. Dieses Gewürz hauen die Ticos nämlich auf alles drauf und letztendlich schmeckt dann alles nach diesem ekligen grünen Zeug...
Eines fällt Maura und mir immer wieder auf: Während die costa-ricanischen Mädels uns gegenüber eher skeptisch sind, sind die Jungs die größten Gentlemen auf Erden! Ronny beispielsweise ist sozusagen das Mädchen für alles. Er macht Mauras Frühstück, hilft seiner Mutter im Haushalt, kutschiert seine Familie mit dem Auto durch die Gegend, weil er der Einzige ist, der einen Führerschein besitzt. Dementsprechend muss auch er immer das Auto abstauben, hilft der Gemeinde, die Kirche und die Schule zu putzen und so weiter und so fort. Also da sollte sich der ein oder andere Deutsche mal eine Scheibe von abschneiden. ;-)
Warum ich diesen Beitrag als die Woche der Feste benannt habe, werde ich euch jetzt mal erzählen. Wochenlang hat sich nämlich das Dorf für das Fest der typischen Tänze in Nosara vorbereitet, was mich schier in den Wahnsinn getrieben hat. Es fand nämlich nicht nur zweimal die Woche eine Tanzstunde statt, sondern es wurde auch fleißig direkt vor meinem Zimmerchen auf dem Fußballfeld getrommelt. Mauras Gastbrüder leiten nämlich eine Percussiongruppe von circa 20 Mann, die ebenfalls ihre Stücke für das große Fest probten und mir somit meine heißgeliebten Siestas raubten! Dementsprechend war ich ziemlich erleichtert, als wir dann verteilt in zwei amerikanischen Schulbussen saßen, die uns nach Nosara bringen sollten. Die Frauen waren alle festlich geschminkt, hatten ihre Tracht zur Hand und trugen einen streng zusammengebundenen Dutt. Die Männer der Schöpfung haben sich mit selbst designter Uniform ausgestattet und feierten den Tag schon reichlich im Bus. Übrigens mussten wir erstmal 2 Stunden auf die Busse warten, die sich ordentlich verspätet haben und sie es anscheinend gar nicht eilig hatten, sodass wir für 27 Kilometer circa 1,5 Stunden brauchten. Die Ticos nehmen es nicht so ganz ernst mit der Pünklichtkeit und überhaupt läuft hier alles sehr entspannt ab.
Die typischen Tänze von Costa Rica sind eher einfach und schlicht gehalten. Sowohl die Lieder, als auch die Tanzschritte wiederholten sich des Öfteren. Dafür durften wir ein circa 30 minütiges Trommelkonzert genießen, das mich echt beeindruckt hat! Nach der Vorstellung wurde uns Reis mit Gemüse serviert, man konnte auf einem elektronischen Bullen reiten, ja sogar ein kleines Riesenrad wurde aufgestellt.
Zwei Tage danach lud mich Mauras Gang ein, ein bisschen in Sámara feiern zu gehen, das das erste Mal war, seitdem ich in Costa Rica angekommen bin und ich muss echt sagen, dass das lateinamerikanische Temperament eine ganz andere Stimmung aufkommen lässt als in Deutschland. Darüber hinaus haben die Costa-Ricaner überhaupt keine Berührungsängste während sie mit ihren Hintern wackelnd über die Tanzfläche schweben, sodass wir Deutschen erstmal wortlos danebenstanden, was schon ein lustiges Bild abgab. Der Club an sich war total schön! Ich meine - was gibt es besseres als Reggaemusik direkt am Strand unter einem gigantischen Sternenhimmel?
Die dritte Feier war dann die goldene Hochzeit meiner Gastgroßeltern. Wir fuhren mit dem Bus in ein kleines Dörfchen in den Bergen, wo sich die ganze Familie mütterlicherseits versammelte und ein großes Abendessen vorbereitete. Samuel hat mich gleich als seine große Schwester vorgestellt, worauf mich alle herzlich umarmten, was mich echt rührte! Alle werkelten umeinander, unser Cousin zeigte uns einen netten Fluss zum Baden und führte uns ziemlich stolz zu einer Schweinefarm. Es wurde extra eine Torte gekauft und ein Gockel gerupft, der dann in einem großen Topf mit Reis und Gemüse landete. Am Abend machten wir eine kleine Wanderung durch den Wald und fielen dann erschöpft in unsere Betten.
Heute werden Maura, Georgia und ich nach Nicoya zum Schoppen fahren. Nicoya ist die größte Stadt in Guanacaste - die Provinz, in der wir wohnen - und soll deutlich günstiger sein als Sámara. Ich meine, das ist ja nicht schwer, wenn ein Head and Shoulders Shampoo hier in Sámara umgerechnet 8 € kostet...