Samstag, 24. Januar 2015
Jetzt, wo langsam der Alltag im kleinen Torito eintrudelt, möchte ich euch mal von allem berichten, das im Vergleich zu Deutschland ungewöhnlich - ja manchmal sogar ziemlich lustig ist oder in unserer schönen Heimat gar nicht existent ist.
Während der Weihnachtszeit wurden - wie wir es auch kennen - an jeder Ecke Grippen aufgestellt. Manchmal aber tummelten sich Gegenstände wie kunterbunte Lichterketten oder sogar Gestalten wie Weihnachtsmänner oder sonstige Wichtel in der Landschaft von Betlehem, die das besinnliche Ambiente nicht gerade förderten. Auch die meisten Weihnachtsbäume, die ich zu Gesicht bekommen habe, waren nicht besonders dekorativ. Meistens waren es zu einer Pyramide aufgestapelte Bierflaschen, die grell beläuchtet wurden.
Das Spanisch hier kommt mir manchmal vor wie das indische Englisch. Das "R" wird nicht wie im castellanischen temperamentvoll gerollt, sondern eher wie ein Würgereiz ausgesprochen, was eigentlich zu meinem Vorteil ist, da mich mein damaliger, hoch geschätzte Spanischlehrer Herr Legat immer aufgrund meines ungenau ausgesprochenen "R" tadelte. Außerdem habe ich noch nie soviele Leute gesehen, die solch ein großes Talent zum Nuscheln haben wie die Einheimischen von Costa Rica! Daran muss man sich auch erstmal gewöhnen... Das beliebteste Füllwort ist "mae", was soviel heißt wie Freund oder Kumpel und wird -ginge es nach den Ticos- vor, zwischen und nach jedem ausgesprochenen Satz hinzugefügt. Außerdem existiert kein Wort für "ok". Stattdessen antworten die Ticos immer mit "Pura Vida" und unterstreichen damit ihre Leichtlebigkeit, worauf sie ziemlich stolz sind. Grundsätzlich wird in Lateinamerika jedes Geschöpf gesiezt. Seien es die Kinder oder Geschwister, der Ehemann oder das Haustier. Der Einzige, der alle konstant duzst ist mein Gastpapa. Ich denke, er macht es weniger aus Autorität als aus Liebe zu seiner Familie. Die Einheimischen neigen dazu, die 2. mit der 3. Person Singular zu mischen, was immer mehr zum Trend wird und logischerweise nicht gerade die Redekunst der Ticos lobt. Genau genommen existiert noch eine dritte Ansprechform. Wenn man sein Gegenüber vertraut, aber respektvoll ansprechen will, sagt man "vos". Darüber hinaus werden ziemlich viele Worte verwendet, die es in Spanien gar nicht gibt. Das Auto beispielsweise heißt nicht "coche", sondern "carro".
Wenn ich von Ticos rede, meine ich wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, die Einheimsichen von Costa Rica. Das Wort Tico kommt daher, dass die Verniedlichungsform manchmal etwas anders ist als im Spanischen, das man in Europa spricht. Man sagt nicht "mometito", sondern "momentico" und "un poquitillo" wird als "poquitico" ausgesprochen. Wenn es nach den Ticos ginge, würde sowieso alles verniedlicht werden. So heißt beispielsweise "jetzt" nicht "ahora", sondern "ahorita". Der Saft wird zum Säftchen und Reis zum Reischen.
Die gewohnte und überall in Spanien anerkannte Antwort "de nada" auf Danke wird hier als Beleidigung angesehen. Wenn ein Tico hilft, dann macht er es nicht "für nichts", sonern mit viel Vergnügen - "con mucho gusto!"
An das Essen hier muss ich mich echt noch gewöhnen! Grundsätzlich gibt es erstmal keine Messer. Wenn man beispielsweise Fleisch isst, dann fühlt man sich eher wie ein Kanibale, als ein zivilisierter Mensch , wenn man diese Köstlichkeit mit der Gabel aufspießt und daran nagt. Außerdem wird alles mit Zitrone verfeinert - aber wirklich alles! Der Salat wird nicht mit einem sanften Dressing aus Balsamico und Öl angemacht, sondern mit Zitronensaft und Salz. Wenn man sich daran gewöhnt, ist es recht erfrischend. Trotzdem sehne ich mich nach einem typisch intalienischen Dressing!
Die Grundnahrung ist "gallo pinto" - Reis mit Bohnen, das es eigentlich morgens, mittags und abends gibt. Die nahrhafteste Mahlzeit ist das Frühstück. Ein "desayuno típico" sieht so aus: "gallo pinto" mit Sauerrahm auf Tortillas aus Maisreis, der ungefähr nach gar nichts schmeckt, Ei und fritierten Kochbananen und diese Kochbananen sind meine ärgsten Feinde! Zuersteinmal müsst ihr wissen, dass ich grundätzlich alles und viel esse und normalerweise kein Problem mit Essen habe, aber Kochbananen esse ich echt mit Widerwillen! Naja, trotzdem gibt es Sachen, auf die ich mich widerrum immer mehr freue. Zum Beispiel auf Fisch! Hier ist er wahnsinnig frisch und köstlich zubereitet, sodass ich mittlerweile zu einem unerwarteten Fischfan geworden bin! Francisco geht mit mir bald mal angeln, worauf ich mich schon wahnsinnig freue!
Jede Familie hat übrigens einen oder mehrere Hunde, der die Reste bekommt. Die sind an alles gewöhnt, was Menschen auch essen... manchmal kriegt der Hund von uns heimlich von mir ein bisschen mehr Trockenfutter als sonst, weil ihm echt schon die Knochen rausschauen, aber psssst.. Übrigens gehen die Hunde, wenn sie mal Bewegung brauchen, mit sich selbt gassi. Hier würde keiner auf die Idee kommen, mit einem Hund an der Leine durch die Gegend zu laufen.
Bestimmt wird mir im Laufe noch mehr auffallen... das waren auf jeden Fall mal die ersten Eindrücke.