Samstag, 10. Januar 2015
Ich befinde mich gerade mitten in einem Nationalpark und habe nur wenig Internet, aber ich versuche trotzdem, euch ein bisschen von meinen Erlebnissen zu berichten. Vielleicht klappt es ja sogar mit den Bildern. Ansonsten werde ich die nachträglich noch einfügen...
Bevor ich zum Highlight der ersten zwei Wochen in Costa Rica komme, will ich noch vom letzten Tag in La Fortuna berichten. Annie und Bina - zwei Amerikanerinnen aus Seattle und Colorado, die in meinem Zimmer geschlafen haben - haben mich zu einem Hot Spring River mitgenommen. Sowas habe ich noch nie gesehen! Das war ein ganz normaler Fluss im Dschungel, der aber badewannenwarm war! Der dampfende Fluss in der Natur hat ein so schönes Bild ergeben! Wir konnten uns mindestens eine Stunde lang einfach reinsetzen und entspannen bis es uns nicht zu kalt, sondern zu heiß wurde! Gut, dass es noch geregnet hat, damit man sich ein bisschen abkühlen konnte. Dieses Gefühl, in einem heißen Fluss zu hocken ist einfach so unbeschreiblich!
Der anstrengende Rückweg mit dem Bus nach San José will ich euch ebenso wie der 8,5 stündige Weg nach Corcovado ersparen! Busfahren ist absolut keiner meiner Leidenschaften. Mir war durchgehend schlecht, es war heiß wie die Hölle und einfach nur anstrengend. Ich musste einen Tag in San José übernachten, da die Busse teilweise nur einmal am Tag fahren. Das Gute war dabei, dass ich mich in der Hauptstadt mit Sophia getroffen habe. Sie ist auch eine Freiwillige meiner Organisation und hat geplant, nach ihrem Projektaufenthalt im Schildkrötencamp in Buena Vista und einem zweiwöchigem Rescueprojekt für Tiere in Puerto Viejo auch zu reisen. Den Kontakt hat Angie, die Ansprechpartnerin des Projektes, aufgebaut, was echt sehr lieb war. Sophia und ich organisierten uns am darauffolgenden Tag ein Ticket in den Nationalpark Corcovado, der ziemlich weit im Süden, ganz in der Nähe von Panama liegt. (Genau genommen wurden uns mega viele Fehlinformationen und -zeiten gegeben, sodass wir erstmal zur falschen Bushaltestelle gefahren sind um danach unter ernsthaften Zeitdruck an die richtige Haltestelle zu kommen und nochmal ein paar Colones hinblättern mussten nur damit wir erfahren durften, dass der Bus doch erst in einer Stunde komme. Das war, wie wir leider feststellen mussten, das einzige Mal, dass ausnahmsweise mal nicht unsere Verplantheit zu absolutem Chaos führte.
Ich war echt froh, dass Sophia mitgekommen war, denn unser Guesthouse liegt echt mitten in der Pampa. Von der Bushaltestelle mussten wir noch ein Taxi nehmen, das uns eine Stunde in den Wald führte. Aber die lange Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Guesthouse ist wunderbar! Es liegt mitten im Wald nur etwa 20 Minuten zu Fuß vom Nationalpark entfernt. 80% der Leute in Rio Tigre, das Kaff, indem wir wohnen, verdienen ihren Lebensunterhalt noch heute mit Gold, nach dem sie im Umfeld suchen. Deswegen heißt das Guesthouse auch Los Mineros (Die Mienenarbeiter) und war früher ein Ort, an dem Frauen sich für Gold verkauft haben. Kurz gesagt - wir leben in einem ehemaligen Puff.. Krass, oder?!
Es sieht aber auf jeden Fall nicht so aus. In so einer niedlichen Holzhütte zu leben ist echt eine tolle Erfahrung. Das Schöne ist auch, dass überall riesengroße Papageien und Tukans rumschwirren. Auch Kolibris sieht man ab und zu vorbeihuschen. Am ersten Tag haben wir gleich mit einem Tico und noch einem Ehepaar, das sich auch ein paar Tage in Los Mineros gönnte, eine Tagestour in den Nationalpark gemacht. Das Interessante dabei war, dass wir erst durch den Sekundärwald gelaufen sind, um in den Primärwald und so auch in den Nationalpark zu kommen. Den Unterschied hat man echt deutlich gemerkt. Es war auch eine Erleichterung, dass es dann immer dichter wurde, sodass die Sonne nicht den ganzen Tag auf uns prallte. Das Ehepaar war total scharf darauf, Vögel zu beobachten und nach einer Zeit hat es mich dann auch interessiert. Ich habe mich wie in der Geschichte "Als die Raben noch bunt waren" gefühlt. Es ist unglaublich, wie viele verschiedene Vogelarten es gibt! Nach einer Zeit kamen wir an einer Würgefeige vorbei. Um so weit wie möglich in die Höhe zu wachsen, schlängeln sich die Äste der Feige erst um einen dicken, großen Baum und würgen ihn dann letztendlich ab, sodass das hohle Gestell der Feige stehen bleibt. Man konnte sogar in den Baum reinsehen und nach oben klettern. Natürlich war ich bei so einer Sache gleich ganz vorne mit dabei. Ich habe mir nur gedacht, wie cool es ist, ein Affe zu sein, der jeden Tag auf solchen Bäumen sitzen kann...
Am Schluss kamen wir an einem Fluss vorbei - diesmal kalt und eine richtige Abkühlung! Wir konnten sogar von einem Felsen runterspringen. Irgendwann können bestimmt die Bilder hochgeladen werden, damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt.
Am nächsten Tag nahmen wir den Dorfbus nach Puerto Jimenez - dem nächstgrößeren Ort - und suchten den Playa Preciosa auf. Der war im wahrsten Sinne des Wortes preciosa! Wir hatten Glück, Carlos kennengelernt zu haben. Er ist ein Tico, den wir ursprünglich nur nach dem Weg gefragt haben. Er hatte anscheinend viel Zeit und hat sich gerade eben erst ein neues Auto gekauft. Deswegen war er so lieb und hat uns die 5 Kilometer an den Strand gefahren. So lieb können auch nur Costa Ricaner sein! Nachdem wir uns tausend Mal bedankt haben, entgegnete er uns nur "Pura Vida" und gab uns seine Handynummer, damit er uns am Nachmittag wieder abholen kann, was er tatsächlich auch getan hat. Er zeigte uns auf dem Rückweg noch ganz stolz sein Hostel, das er bald öffnen wird. Ich habe mir vorgenommen, ihm zum Beispiel bei Übersetzungen für seine Webseite zu helfen. Echt eine tolle Begegnung!
Insgesamt war der ganze Tag toll! Der Strand war wunderschön, alles war umringt von Palmen und wir waren fast die Einzigen! Als wir dann im pisswarmen Meer schwammen, sah ich plötzlich einen riesengroßen Koloss aus dem Wasser springen. Er war definitiv zu groß für einen Delphin. Beim zweiten Mal, als das Monster aus dem Wasser sprang, erkannten wir einen riesengroßen Wal und standen nur noch da, als ob wir eine Fata Morgana gesehen hätten und irgendwie war es ja auch so.
Tiefenentspannt starteten wir auch den heutigen Tag und entschlossen uns, am Nachmittag Kayak zu fahren. Total cool nur echt sehr heiß! Wir konnten an kilometerweit unberührter Natur vorbeischwimmen ohne eine Menschenseele zu sehen. Und wieder einmal war der Hin- und Rückweg mit den Dorfbus das Witzigste. Mittlerweile kennen wir schon ein paar Leute aus Rio Tigre, die täglich den Bus nach Puerto Jimenez nehmen. Einer zum Beispiel packte erstmal sein Taschenradio aus, um ein bisschen Stimmung zu machen. Als er meine bunte Tempelfitzerhose sah, packte er ganz stolz seine rosa geblümten Hosen raus, die er sich an diesem Tag zugelegt hatte. Es war so schön zu sehen, wie sehr er sich gefreut hat! Er war auch unzufrieden mit seinen Haaren und hatte einen Juckreiz durch Moskitostiche, was er mir mit Händen und Füßen versucht hat, zu erklären (Der Gute hat nur noch zwei Zähne, deswegen konnte man ihn nicht gut verstehen. Ohnehin ist das Costa Ricanische spanisch deutlich schneller und abgehakter, sodass ich manchmal echt verwirrt und nur freundlich nicke, obwohl ich fast nichts verstehe...) Zum Glück saß vor ihm der Dorffriseur, der ihm ein paar Tipps geben konnte. Danach bemerkten sie meine Mückenstiche, die mich zur Zeit übersähen! Ich sehe echt ziemlich zerstochen aus. Ich schätze, es sind 100 Stiche pro Bein und das ist nicht übertrieben. Auf jeden Fall haben die beiden Herren mir das beste Mückenspray empfohlen, das man sich in Costa Rica kaufen kann. Außerdem suchte der Dorffriseur extra noch eine bestimmte Pflanze, die gegen den Juckreiz helfen soll. Ich bin immer wieder überwältigt von der Herzlichkeit!
Nach dem Kayakfahren entspannten wir noch in einem Soda, das so viel heißt wie Restaurant, bestellten uns Gerichte mit Meeresfrüchten und schlemmten. Sophia und ich haben echt Glück, dass wir uns so gut verstehen. Ich meine, es hätte echt auch ganz anders ausgehen können. Obwohl wir uns erst ein paar Tage kennen, können wir uns über sehr Vieles austauschen. Sophia hat auch schon viel über das Projekt erzählt, was mich ein bisschen vorbereitet. Ich glaube, sie ist noch viel aufgeregter, dass ich bald in meine Gastfamilie komme und in der Schule arbeiten werde.
Morgen werden wir noch einen anderen Fluss aufsuchen, in dem man schwimmen kann und vielleicht unseren neuen Zweizahnfreund besuchen. Ansonsten genießen wir noch ein bisschen das besondere Flair des Los Mineros und hoffen auf ein paar Papageienschwärme, die uns vielleich "Hallo" sagen werden.